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Ehingen - von der Siedlung zur Stadt

Aufgrund zahlreicher Funde steht fest, dass das spätere Stadtgebiet Ehingens und seiner Teilorte bereits in vor- und frühmittelalterlicher Zeit von Menschen besiedelt war.

Der Bauernkrieg (1525) verlief für unsere Stadt vergleichsweise glimpflich und ohne nachhaltige Schäden. Dagegen wurde sie im Verlauf des 30-jährigen Krieges (1618-1648) mehrfach besetzt.

Doch auch nach diesem großen Krieg hatten die Ehinger mehrfach Unglücksfälle und deren Folgen zu verkraften. Insbesondere zwei große Brände haben tiefe Spuren im Stadtbild [haben im Stadtbild Spuren] hinterlassen.

1688 drangen die Franzosen im Zuge einer Strafexpedition zur Erzwingung von Abgaben in die Stadt ein. Bei ihrem Abzug setzten sie das Rathaus in Brand. Dem Feuer, das sich rasch ausbreitete, fielen zahlreiche weitere Häuser am Marktplatz zum Opfer.

Noch verheerender wütete 1749 ein durch Unachtsamkeit verursachtes Feuer an der oberen Hauptstraße. Damals wurden rund 100 Gebäude zerstört und erst nach geraumer Zeit konnten die wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe überwunden werden.

Die Bedeutung Ehingens nach dem 30-jährigen Krieg beruhte nicht zuletzt darauf, dass sich hier regelmäßig die schwäbisch-österreichischen Landstände versammelten. Zunächst im Rathaus, ab 1771 im so genannten Landhaus, heute Amtsgericht am Marktplatz, berieten die Vertreter der habsburgischen Städte und Herrschaften zwischen Iller und Neckar zum Beispiel über Steuerfragen und Militäreinquartierungen.

Darüber hinaus hatte in Ehingen seit Ende der 1680er Jahre die Kanzlei des Ritterkantons an der Donau ihren Sitz. 1692 ließ dieser das repräsentative Ritterhaus als Verwaltungs- und Kanzleigebäude an der oberen Hauptstraße errichten.

Als nach dem verlorenen Krieg gegen Frankreich Habsburg im Frieden von Preßburg 1805 seine Vorlande an die französischen Verbündeten abtreten musste, kam Ehingen nach über viereinhalb Jahrhunderten unter österreichischer Landesherrschaft an das neu geschaffene Königreich Württemberg. Wenig später bildete sich eine kleine protestantische Gemeinde in der bisher rein katholischen Stadt.

Bereits im folgenden Jahr bestimmte man Ehingen zum Sitz eines Oberamtes, den Vorläufern der heutigen Landkreise.

1869/70 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Zur Ansiedlung größerer Industrieunternehmen kam es jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wobei aber das 1890 gegründete Zementwerk während der Weltwirtschaftskrise den Betrieb einstellen musste und 1927 wieder abgebrochen wurde. Weiterhin boten Textilunternehmen und ab 1937 eine Zellstofffabrik Arbeitsplätze in größerer Zahl.

Bei Kriegsende 1945 blieb die Stadt von größeren Kriegsschäden verschont. Nach Überwindung schwieriger Anfangsjahre hatte auch Ehingen am Wirtschaftswunder der 1949 gegründeten Bundesrepublik Anteil. Nun stieg durch Neuansiedlung und Ausbau bestehender Betriebe auch die Anzahl industrieller Arbeitsplätze stark an.

Für einschneidende strukturelle Veränderungen in der Stadt und ihrem Umland sorgte in den Jahren 1971-75 eine Verwaltungsreform. Damals schlossen sich insgesamt 17 ehemals selbstständige Gemeinden der Stadt an und sorgten für einen deutlichen Zuwachs an Einwohnern und ermöglichten die Erhebung zur Großen Kreisstadt.

Diese positive Entwicklung setzt sich bis heute fort, was beispielhaft an den neu entstandenen Baugebieten ablesbar ist.

Vorbild für das Siegel und Wappen der Stadt war das Familienwappen der Grafen von Berg, das einen fünfmal schräg geteilten Schild in den Farben Weiß-Rot (Silber-Rot) zeigt.

1343 verkaufte das letzte männliche Familienmitglied, Graf Konrad von Berg, seine Herrschaften und damit auch die Stadt Ehingen an Österreich, an das Haus Habsburg. Dies bedeutete eine Weichenstellung, die bis 1805, bis zur Eingliederung ins spätere Königreich Württemberg, Geltung haben sollte. Allerdings verwalteten die Habsburger ihre neu erworbenen Herrschaften nicht selbst, sondern verpfändeten sie bald immer wieder an verschiedene Adelige. Erst 1568 gelang es der Stadt Ehingen die Pfandschaft auszulösen. Darüber hinaus konnten die Bürger nach und nach verschiedene Vorrechte und Privilegien erwerben. Wichtig waren die Befreiung von auswärtigen Gerichten und die Übertragung der Blutgerichtsbarkeit auf das Stadtgericht.

Kirche und Pfarrei Ehingen werden 1182 erstmals genannt. Als Pfarrkirche diente wohl zunächst die 1822 abgebrochene Michaelskapelle. Später trat die Blasiuskirche an deren Stelle. Das Patrozinium wird erstmals 1339 erwähnt. Aufgrund ihrer Rechte als Patronatsherren bestimmten die Habsburger 1456 die Einkünfte der Pfarrei zur finanziellen Ausstattung ihrer Universität in Freiburg im Breisgau.

Die Liebfrauenkirche geht auf eine „Kapelle auf dem Berg“ zurück, die 1239 von den Grafen von Berg gestiftet wurde. Von 1638 bis zur Aufhebung ihres Klosters zu Anfang des 19. Jahrhunderts betreuten die Franziskaner die Kirche.

Da Ehingen einen papsttreuen Landesherrn hatte, konnten reformatorische Einflüsse keine größere Bedeutung in der Stadt gewinnen. Die gesamte Bevölkerung blieb beim alten Glauben.

Erst nach 1806 entstand eine kleine protestantische Gemeinde. Diese errichtete außerhalb des mittelalterlichen Stadtkernes 1879 eine eigene Kirche. 1889 wurde eine erste Pfarrei eingerichtet.

Ehingen galt von alters her als wichtige Schulstadt. Die Anfänge des hiesigen Gymnasiums reichen bis ins 13. Jahrhundert, bis zur damaligen städtischen Lateinschule, zurück. Diese war nicht nur für Ehingen selbst, sondern auch für die weitere Umgebung von großer Bedeutung. Nach einem u. a. durch den 30-jährigen Krieg verursachten Niedergang übernahmen die Patres der nahen Benediktinerabtei Zwiefalten die Schule.

Sie bauten den Unterricht aus und brachten die Schule zu neuer Blüte. 1698 begannen an der Stelle des alten Stadtschlosses der Berger Grafen die Arbeiten für ihr Kollegium mit Herz-Jesu-Kirche. Ab dem Jahre 1825 dienten die Gebäude als Gymnasium und Konvikt zur Ausbildung künftiger katholischer Geistlicher für die Diözese Rottenburg.

Die Anfänge Ehingens liegen in der Schmiechniederung in der Unteren Stadt, die noch im 15. Jahrhundert als Altstadt bezeichnet wurde. Im Stadtbild lässt sich dieser organisch gewachsene Teil der Stadt, dessen Gassen dem Verlauf der Schmiech und dem Gelände auch heute noch folgen, leicht von der Oberen Stadt unterscheiden. Letztere entstand unter Federführung der Grafen von Berg und weist planmäßig sich rechtwinklig schneidende Straßen und Gassen auf. Die Grafen von Berg waren es auch, die Ehingen wohl um 1230 zur Stadt ausbauten.

Zunächst begann man die obere Stadt mit einer Ummauerung zu schützen. Aber nur wenig später wurde auch der alte Siedlungskern an der Schmiech in die Befestigungsanlagen einbezogen.

Dort wurde ein kleiner Abschnitt des Wehrganges rekonstruiert. Nicht weit davon sicherte der Pfisterturm, ein mit Geschützpforten versehener Artillerieturm, die stark gefährdete Nordseite der Stadt.

Die Stadtpfarrkirche St. Blasius weist noch Bauteile aus dem 14. Jahrhundert auf. Ihr Erscheinungsbild wird aber vor allem vom Umbau bestimmt, der 1738 unter der Leitung des Stadtbaumeisters Johann Georg Wiedemann erfolgte. Damals erhielt das Kirchenschiff ein flaches Muldengewölbe, das seitlich von tonnenüberwölbten Seitenkapellen begleitet wird. In den Jahren 1763-66 gestalteten der Deutschordensbaumeister Franz Anton Bagnato sowie Giuseppe Appiani und Mitglieder der Familie Pozzi den Chorbereich neu. Der Turm wurde 1888 erneuert, wobei man das ältere Untergeschoss beibehielt. Das Oberteil erhielt sein heutiges Aussehen 1958.

Das Landhaus der schwäbisch-österreichischen Landstände ließ 1750 der Posthalter und Apotheker Mennas Menne als Gasthaus an der Stelle seiner Apotheke errichten, die beim Stadtbrand 1749 vernichtet worden war. In den Besitz der Stände ging der halbfertige Bau 1769/70 über. Diese stellten in den folgenden Jahren die Rokoko-Inneneinrichtung fertig. 1805 fiel das Landhaus an den württembergischen Staat, der es für sein Oberamtsgericht nutzte. Heute befindet sich hier das Amtsgericht.

Der Adel der Umgebung verfügte vielfach über eigene Häuser in Ehingen. Im sogenannten „Schlössle“, an der Nordwestecke des Marktplatzes, saßen die Herren von Ellerbach. Später wohnten hier verschiedene Bürgermeister oder der Mundartdichter Carl Borromäus Weitzmann (1767 – 1828).

Seit 1987 schmückt der Brunnen des Göppinger Bildhauers Kurt Grabert den Marktplatz. Die dargestellten Motive verweisen auf unterschiedliche Begebenheiten und Aspekte aus der Geschichte Ehingens und seiner Teilorte. Gekrönt wird er vom hl. Theodul, der seit dem 18. Jahrhundert als Patron der Stadt gilt.

Stadtauswärts an der Oberen Hauptstraße finden wir das Kanzleigebäude des Kantons Donau der Schwäbischen Reichsritterschaft – das sogenannte Ritterhaus. 1692 errichtet, überragt es mit seinem Barockgiebel die benachbarten Bürgerhäuser und legt Zeugnis vom Selbstbewusstsein der Ritter ab. Heute ist dort eine Außenstelle des Landratsamtes untergebracht.

Den Abschluss der Oberen Stadt nach Norden zum Groggental bildet das ehemalige Benediktinerkolleg mit Herz-Jesu-Kirche. 1698 bis 1709 wurde der mächtige Baukörper für das Gymnasium von den Patres der nahen Abtei Zwiefalten errichtet. 1719 folgte die Kollegiumskirche zum Herzen Jesu. Die Pläne gehen auf den Barockbaumeister Franz Beer aus Vorarlberg zurück. Nach 1825 wurde hier ein bischöfliches Konvikt eingerichtet. Seit 1995 dient das Kolleggebäude als Grundschule.

In unmittelbarer Nachbarschaft, ebenfalls an der Stadtmauer zum Groggental gelegen, steht der sogenannte Speth’sche Hof. Der eindrucksvolle Fachwerkbau, der in seinem Inneren kunstvolle Stuckdecken aufweist, wurde wohl 1524 errichtet, diente als Kollegium und Gymnasium und wurde 1718 an eine Baronin von Speth verkauft. Nach Besitzer- und Nutzungswechsel beherbergt das Gebäude seit 2010 die Städtische Galerie mit modernen Kunstwerken der Sammlung Nöth.

Eine ganze Reihe benachbarter Klöster unterhielt in der Stadt Schaffneien zum Sammeln, Lagern und Vermarkten von Abgaben aus der Umgebung. Sie alle lagen im Bereich der Oberen Stadt, jeweils in der Nähe der Stadtmauer. Der ehemalige Marchtaler Klosterhof, das sogenannte Hohe Haus an der Schwanengasse, zählt zu den eindrucksvollsten Baudenkmalen der Stadt. Um 1400 wurde es von den Herren von Stain zu Rechtenstein als Stadtsitz erbaut. Berthold von Stain veräußerte es 1492 an die Reichsabtei (Ober-) Marchtal. Diese ließ im gleichen Jahr die gotische Elisabethenkapelle errichten.

Der Hof des Benediktinerinnenklosters Urspring bei Schelklingen, die so genannte Oberschaffnei, entstand in den Jahren um 1687. Ab 1827 wurde sie von der Universität Freiburg zur Verwaltung ihrer bei Ehingen gelegenen Besitzungen genutzt. Wenige Häuser weiter, gleichfalls auf dem Gänsberg, befindet sich der frühere Hof der Zisterzienserabtei Salem, erbaut ab 1586.

Gegenüber liegt das ehemalige Haus des Syndikus der schwäbischen Reichsritterschaft. Seit 1689 gehörte der frühere Adelssitz, dessen heutiges Erscheinungsbild von einem Umbau 1775 bestimmt wird, dem Ritterkanton Donau, dessen Wappen über dem Barockportal zu sehen ist.

Bereits zur Unteren Stadt zählt das ehemalige Heilig-Geist-Spital an der Schmiech. Es wurde um 1340 von Ehinger Bürgern gegründet und bildete mit seinen zahlreichen Nebengebäuden einen geschlossenen Baukomplex, der gegen die Stadt durch eine Mauer abgeschlossen war. Das Spital hatte für die Versorgung all derjenigen zu sorgen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr selbst ihre Nahrung, Kleidung und Unterkunft beschaffen konnten. Zudem bot es vermögenden Leuten die Möglichkeit, Pfründen zu erwerben und sich auf diese Weise einen sorgenfreien und unbeschwerten Lebensabend zu sichern.

Die seit dem 19. Jahrhundert profanierte und 2010 renovierte Spitalkapelle stammt aus den Jahren um 1493. Das sogenannte Neuhaus mit seinem eindrucksvollen Fachwerk kann auf das Jahr 1532 datiert werden. In der Kapelle und in den anderen angebauten ehemaligen Spitalgebäuden sind heute die Sammlungen des städtischen Museums zu sehen.

Die ersten Anfänge der Liebfrauenkirche reichen bis in das Jahr 1239 zurück. Damals stiftete Graf Ulrich von Berg eine bescheidene Kapelle. 1454 musste diese einem dreischiffigen, spätgotischen Kirchenbau weichen. Aus dieser Zeit stammen Teile der Umfassungsmauern und die unteren Geschosse des Turmes. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts entwickelte sich eine rege Wallfahrt zum Gnadenbild (um 1500), das dort verehrt wird. Daran hatten die Franziskaner, die 1638 die Betreuung der Kirche übernommen hatten, erheblichen Anteil. Die barocken Formen und die Ausstattung der heutigen Kirche gehen auf die Jahre nach 1723 zurück.

Mit der Errichtung des südlich angebauten Franziskanerklosters wurde 1650 begonnen. Es wird heute als städtisches Kulturzentrum von Musikschule, Volkshochschule, Stadtarchiv und Kulturamt genutzt.

Im Bereich der Lindenstraße und der anschließenden Biberacher Straße haben sich noch einige sehenswerte Wohnhäuser der Gründerzeit erhalten. Dazu gehört auch das frühere Wohnhaus des Ehinger Oberamtsarztes Michel Buck (1832 – 1888), der zudem als Mundartdichter und Volkskundler bekannt ist.

Bereits außerhalb der alten Stadtgrenzen, vor dem so genannten Ulmer Tor, liegt die 1591 geweihte St. Martinskapelle. Nachdem der Gottesacker bei der Stadtpfarrkirche Ende des 16. Jahrhunderts zu klein geworden war, wurde sie als Friedhofskapelle in spätgotischen Formen errichtet.

Gleichfalls vor der mittelalterlichen Stadtmauer im Bereich der Stadterweiterung des 19. Jh. an der Lindenstraße liegt die evangelische Stadtkirche. Sie wurde nach Plänen des Stuttgarter Baurats Felix von Berner in frühgotischen Formen errichtet und 1879 eingeweiht.

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